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Diversity

Kategorie-Archiv: News

Resümée – Stream III

Discussants at the World Café, Stream III © KKA

Discussants at the World Café, Stream III © KKA

Ülkü Akbaba stellte in ihrem Impulsstatement die Frage, wie ein Teil der Gesellschaft an Kultur teilhaben kann, wenn er nicht sichtbar sei. Sie betonte die Wichtigkeit von kulturellen Räumen, die die Bevölkerung repräsentieren, und bemängelte die fehlende Auseinandersetzung auf gleicher Augenhöhe mit MigrantInnen in Wien.

World Café:
Welche Zukunftsperspektiven eröffnet die Strategie, eine eigene Kulturinstitution / Programmschiene für eine spezifische Anspruchsgruppe zu konzipieren (Stichwort „affirmative action“)?

Die Tischgäste befürworteten die Schaffung neuer autonomer Produktions- und Begegnungsräume („Third Spaces“), die von MigrantInnen (mit-)gestaltet werden und Vorbildwirkung haben. Sie äußerten auch Befürchtungen betreffend eine mögliche Ghettoisierung und konstatierten ein große Schwierigkeit für MigrantInnen, auf der politischen Ebene aufzusteigen, was die Änderung der Rahmenbedingungen erschwert.

Tom Braun berichtete in seinem Impulsstatement vom Befund der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung, dass Kulturprojekte derzeit in der Regel temporär in den Schulabläufen eingerichteten „Schonräumen“ stattfinden. Da Individuen sich nur insofern wertschätzend zu Diversität verhalten, als das System dies zulässt, muss gefragt werden, wie Kultureinrichtungen den Prozess auf der gesamten Organisationebene der Schule unterstützen können.

World Café
Inwieweit können Kooperationen zwischen Schulen und Kulturinstitutionen zu einem inklusiven Umgang mit Diversität im Rahmen der Schulentwicklung beitragen?

Die Tischgäste wiesen auf die Schwierigkeit hin, dass Schulentwicklung eine schulinterne Angelegenheit ist – es gilt daher herauszuarbeiten, wofür Kulturinstitutionen Partner sein können und welche spezifischen Qualitäten sie einbringen. Festgehalten wurde, dass der nachhaltige Kooperationsprozess zwischen Kulturinstitution und Schule einer externen Moderation bedarf.

Claudia Ehgartner ging in ihrem Impulsstatement darauf ein, dass die Kulturinstitution selbst die Grenzen für die Einbeziehung seiner (potentiellen) NutzerInnen setzt. Wenn KulturvermittlerInnen bisher nicht erreichte Personengruppen einladen, wird offenkundig, dass sie nicht kommen, weil die Kulturinstitution nicht von ihnen her gedacht ist und keine Angebote für sie macht.

World Café:
Wie kann der inklusive Umgang mit Diversität von SchülerInnen im Rahmen des generellen Bildungsauftrags einer Kultureinrichtung gelingen?

Die Tischgäste erörterten folgende Grundvoraussetzungen für einen solchen Umgang:

– Genügend Budget – Personal und Zeit
– Räume zur Artikulation
– Gemeinsames Erstellen von Konzepten
– Partizipation
– Gegenüberstellen der Diversität der Gruppe mit der Diversität in der Kunst
– Qualifikation der KulturvermittlerInnen betreffend  Wissensvermittlung und Moderation

Ulrike Gießner-Bogner, Eva Kolm berichteten in ihrem Impulsstatement, wie KulturKontakt Austria die Diversität von SchülerInnen in Rahmen der Kulturvermittlungsprogramme für Schulen und Kultureinrichtungen zu berücksichtigen versucht. Besonders der notwendige hohe Einsatz von Ressourcen macht es schwierig, neu entwickelte Ansätze in Einzelprojekten in den Mainstream zu überführen.

World Café:
Wie schätzen Sie die zukünftigen Potenziale und Schwierigkeiten der nachhaltigen Verankerung von inklusiven Vermittlungsangeboten im Kulturbereich ein?

Die Tischgäste orteten Nachhaltigkeit vor allem in der Änderung von Haltungen innerhalb der Kulturinstitutionen, was durch Impulse wie kurzfristige Projekte angestoßen und durch politische Anerkennung unterstützt werden kann. Wenn verschiedene Anspruchsgruppen und Prozesse in den Räumen der Institutionen thematisiert werden, hat dies auch für andere NutzerInnen Signalwirkung. Problematisiert wurde das Konfliktpotential, wenn nicht alle MitarbeiterInnen der Kulturinstitution eingebunden bzw. informiert sind.

Walter Lexmüller charakterisierte die Rolle der LehrerInnen in seinem Impulsstatement nicht mehr nur als WissensvermittlerInnen, sondern vor allem als „EntwicklungshelferInnen“ mit hochentwickelter Feedback-Kultur, die Fähigkeiten und Stärken ihrer SchülerInnen aufspüren und stärken. Durch die Diagnose von Unterschieden und die Individualisierung des Lernens kann Diversität genutzt werden.

World Café:
Wie können LehrerInnen vor dem Hintergrund der Diversität ihrer SchülerInnen auf die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen vorbereitet werden?

Die Tischgäste beschäftigten sich mit den Charakteristika der Kommunikation zwischen Schule und Kulturinstitution und den notwendigen Qualifikationen der LehrerInnen. Thematisiert wurden die Notwendigkeit, ein Ziel für den Besuch der Kulturinstitution zu formulieren (Wissensvermittlung vs. Persönlichkeitsentwicklung), die Rolle der Lehrerin/des Lehrers zu definieren sowie Vor- und Nachteile von genauen Vorgaben der LehrerInnen. Ressourcen für die gemeinsame Vor- und Nachbereitung sind unabdingbar.

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Press

Abstract – Walter Lexmüller

[DE]
Diversität in der Schule ist eine allgegenwärtige Herausforderung. Die entscheidende Frage ist, ob sie überhaupt wahrgenommen und wenn, wie sie bewertet wird. Wird Vielfalt als Chance genutzt oder als Belastung und Bedrohung gefürchtet? Heterogenität in der Schule darf nicht nur bei Schülerinnen und Schülern beachtet werden. Multikulturellen SchülerInnengruppen müssen multikulturelle Lehrkörper zur Verfügung stehen. Das ist eine Herausforderung für die LehrerInnenbildung neu.
Unterricht, der sensibel Heterogentäten nutzt, beruht auf Partizipation und Aktivierung. SchülerInnen werden abgeholt und nicht nur unterrichtet. Methoden sind bekannt, werden gelehrt und weiterentwickelt.
Ihre Prinzipien gelten auch für jene Formen der Kunstvermittlung, bei denen der einzelne junge Mensch im Mittelpunkt steht. Wollen Schule und Kulturinstitutionen im Zuge einer Kooperation auf ihn eingehen, muss von beiden Seiten dafür gesorgt werden, dass sich die Kompetenzen von Lehrkräften und KunstvermittlerInnen möglichst effizient ergänzen können. Audience Development im schulischen Kontext ist nur in enger Kooperation von LehrerIn und KünstlerIn bzw. Kulturinstitution möglich.

Abstract – Claudia Ehgartner

[DE]
Mit speziellen Projekten werden am mumok nicht nur neue „Zielgruppen“ erschlossen, sondern vor allem der Museumsbetrieb für deren Bedürfnisse sensibilisiert, um bestehende Barrieren abzubauen. SchülerInnen soll eine selbstbewusste und selbstbestimmte Teilnahme am kulturellen Leben ermöglicht werden. Ob nun VolksschülerInnen bei einem intergenerativen Projekt ihre Verwandten im Museum treffen, um sich über moderne Kunst auszutauschen, oder ob gehörlose SchülerInnen mit einer gehörlosen Künstlerin performative Kommunikationsformen als Zugang zu moderner Kunst für hörende SchülerInnen entwickeln, oder ob bildende Kunst, Musik und (Mutter-)Sprachen als verschiedene Ausdrucksformen thematisiert und miteinander in Verbindung gesetzt werden – wesentlich ist stets, dass alle beteiligten Personen oder Gruppen als ExpertInnen angesehen werden. Verschiedene Blickwinkel und Erfahrungen, auch im ästhetischen Sinn, treffen einander und erweitern den Blick der jeweils anderen.


 

Abstract – Tom Braun

[DE]
Individuelle Sichtweisen auf die Welt, das Spiel mit der Vielfalt persönlicher Arten und Weisen, sich mitzuteilen, sind unverzichtbare Grundlagen aller künstlerischen Prozesse. Es liegt deshalb nahe, Kooperationen zwischen Schulen und Kultureinrichtungen auf ihr Potenzial für einen inklusiven Umgang mit Diversität in Schulen zu befragen. Um den Beitrag von Kulturkooperationen zu einer inklusiven Schulentwicklung wirksam erschließen zu können, gilt es jedoch einen grundlegenden Perspektivenwechsel zu vollziehen: Besonders im Prozess einer Schulentwicklung für einen inklusiven Umgang mit Diversität müssen die Lernprozesse der Individuen und der Institution als einander bedingend berücksichtigt werden. Statt die ästhetisch-kulturelle Praxis nur als Beitrag zu einer ‚Kultivierung’ der Kinder und Jugendlichen zu verstehen, gilt es die ästhetisch-künstlerische Dimension als Prinzip in allen Bereichen des Schullebens zu stärken. Dies setzt voraus, dass Kulturprojekte nicht in temporär in den Schulabläufen eingerichteten „Schonräumen“ stattfinden, sondern mit den Prozessen der Organisations-, Unterrichts- und Personalentwicklung verbunden werden.

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