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Diversity

Unterschiedlichkeit | Distinctiveness

György Dalos

Kultur hat nichts mit Einheitsvielfalt zu tun. Ihr eigentliches Lebenselement ist immer die Unterschiedlichkeit von Formen, Sprachen, Nationen und Traditionen.

Zwanzig Jahre später: Randnotizen

Am Anfang war der Traum, György Konráds mutige Vision von anno 1984: „Ich halte nicht nur Budapest, Pressburg, Prag, Krakau, Warschau und Berlin für Europa. Doch wenn ich schon Leningrad und sogar Moskau zu Europa rechne, warum eigentlich sollte ich dann bei Wladiwostok stehen bleiben? Es handelt sich um Eurasien. Dazwischen gibt es keine Staatsgrenze. Man kann auch im Maßstab Eurasiens denken. Das ist eine Perspektive, die besser passt zur zweiten Jahrtausendwende als die Perspektive des kleinen Westeuropa. Ich möchte mich für den Sohn eines utopischen Europa halten, der mit seinen Armen den Stillen Ozean sowohl bei San Francisco als auch bei Wladiwostok erreicht und das Umarmte in Frieden hält.“[1]

Einige Jahre später, im Frühjahr 1989, gab ein ungarischer Rechtswissenschaftler auf die Journalistenfrage, was in der damals gerade vorbereiteten neuen Verfassung aus der alten (1949) erhalten bleibe, die knappe Antwort: „Die Hauptstadt des Landes ist Budapest.“ In den Flitterwochen Ungarns mit der jungen Demokratie war Europa ein Schlüsselbegriff. Die Erwähnung des Kontinents in den Medien erreichte ein Ausmaß, das den Autor Peter Esterházy auf die Idee brachte, dass jeder, der das Wort „Europa“ in den Mund nimmt,  umgehend einen Forint in die Staatskasse einzahlen müsse (was angesichts des Schuldenberges und der beginnenden Rezession keine wirkliche Sanierung ergeben hätte). Die Erwartungen waren wohlwollend, aber naiv. Von der Übernahme der europäischen Normen aus Politik und Moral erwartete man einen durchschlagenden ökonomischen und sozialen Aufstieg – eine Demokratie mit allen Vorteilen, aber ohne die Nachteile der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Selbstverständlich verlief die Entwicklung viel schwieriger. Allein das Klopfen an das Tor der EU dauerte fünfzehn Jahre lang an.

Nun ist es soweit, wir leben bereits seit zwanzig Jahren nach der europäischen Zeitrechnung. Die Wende, oder wie sie bei uns genannt wird, der Systemwechsel, forderte enorme Anstrengungen von dem Zehnmillionenland, die Marktwirtschaft erwies sich, milde gesagt, keineswegs als automatisch sozial, die Vergangenheit holte uns auf Schritt und Tritt in Gestalt von falschen Nostalgien und menschenverachtenden Ideologien ein. Ohnehin erging es der Generation der ungarischen Andersdenkenden gewissermaßen ähnlich wie Christoph Columbus, der Indien suchte und in Amerika landete. In dieser Situation ist uns etwas abhanden gekommen, was uns seinerzeit vorteilhaft von den westlichen Realpolitikern unterschied: Die historische Vorstellungskraft. An die Redefreiheit haben wir uns schnell gewöhnt, nur der Mut zum freien Denken hat bei uns nachgelassen.

Zur Entschuldigung sei gesagt, dass man am Ende der sowjetischen Ära manche Phänomene gar nicht vorausahnen konnte. Erstens dachte niemand an das verrückte Tempo der Veränderungen, zweitens unterschätzten selbst viele Ökonomen die Schwierigkeiten des Übergangs zur Marktwirtschaft und drittens, rechnete man nicht mit der nationalen Wiedergeburt in dem heutigen Maße. Auf der Landkarte der neunziger Jahre erschienen die folgenden neuen Staatsbildungen: Armenien, Aserbeidschan, Belarus, Bosnien, Deutschland (als einheitliches Land), Estland, Georgien, Kroatien, Lettland, Litauen, Moldau, Montenegro, Russland, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien und die Ukraine. Die Veränderung der Landkarte betraf ein Territorium mit einer Bevölkerung von fast fünfhundert Millionen Menschen.

Einerseits war die Bildung dieser modernen Nationalstaaten das Allernatürlichste nach so vielen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten der Fremdbestimmung. Gelernte Marxisten hätten diesen Prozess wie seinerzeit die deutsche Reichsgründung zähneknirschend als „objektiv fortschrittlich” bezeichnet. Andererseits bedeutete der Zerfall des Riesenreiches eine enorme Desintegration, die besonders dort, wo manchen Völkerschaften oder Minderheiten das Recht auf Selbstbestimmung verweigert worden war, mitunter apokalyptische Züge trug. Während die Grenz- und Zollbeamten zwischen den EU-Staaten zunehmend zur Arbeitslosigkeit verurteilt wurden, entstanden seit 1989 ungefähr 40 neue zwischenstaatliche Grenzen, zur Zeit des Eurotriumphes wurden mehr als 20 neue nationale Währungen, von der estnischen bis zur slowakischen Krone eingeführt, und während die NATO nicht zuletzt aus finanziellen Gründen die Straffung und Vereinheitlichung der Verteidigungssysteme des Kontinents betreibt, werden in Europas Osten neue nationale Armeen gegründet. Die Tatsache, dass etwa moldauische oder ukrainische Papiergeldscheine am Anfang der neunziger Jahre in Paris gedruckt wurden, unterstreicht nur die Absurdität des Gesamtprozesses und veranschaulicht die Kluft zwischen Ost und West nur noch mehr.

Unser schönes optimistisches Weltbild von gestern ist weitgehend zerstört. Die von Konrád, Kundera, Schlögel und anderen erträumte Region Mitteleuropa kam nicht zustande. Von den ökonomischen Sachzwängen eingeholt, drifteten die neuen Staaten immer mehr auseinander. Eine Hälfte von ihnen unternahm enorme Anstrengungen, um die Aufnahmeprüfung in die EU zu bestehen, die andere klammerte sich, ebenso verkrampft, an ihre gestörte nationale Identität, die sie nun auf Kosten der kleineren Länder und der Minderheiten zu behaupten suchte. Aber selbst in dem EU-konformen Teil des ehemaligen Ostblocks gewannen zunehmend antieuropäische Strömungen an Terrain. Die sprungbereite Enttäuschung der Gesellschaft schaffte neue Feindbilder, vor allem diejenige der Globalisierung und der Multikulturalität. Besonders rechtsradikale Außenseiter der politischen Szene profitierten davon und traten immer mehr aus ihrer Isolierung hervor.

Sie operierten mit dem mentalitätsbedingten Widerstand erheblicher Teile der Bevölkerung gegen jede Neueinführung und nützten die Schwäche der demokratischen Institutionen und den inneren Kampf der neuen Eliten aus.

Damals gehörte Ungarn, ebenso wie Polen oder die Tschechoslowakei, dem (politischen, ökonomischen und militärischen) Osten an, obwohl es eine eindeutig westlich orientierte kulturelle Tradition besaß und zivilisatorisch selbst unter den Bedingungen des „real existierenden Sozialismus” unvergleichbar weitergekommen war als Rumänien, Bulgarien oder das Vorbild, die große Sowjetunion. Ich war fest davon überzeugt, dass die Jahrzehnte der Spaltung des Kontinents samt der vorangehenden beiden Weltkriege ausgerechnet jene Inhalte dieser Länder ausgehöhlt hatten, die sie zu Vermittlern zwischen den beiden Hälften Europas hätten machen können. Als Tatsache galt für mich, dass wir arm, unfrei und provinziell sind und der von westlichen Besuchern häufig bescheinigte Status von Budapest als Paris des Ostens ein schwaches Trostpflaster für unsere zwischen Eisenhüttenstadt und Wladiwostok eingekeilte großstädtische Existenz war. Die Suche nach der verlorenen Zeit des sonnigen Jahrhundertbeginns mit ihren Cafés und Theaterzügen nach Wien, erschien mir als eine schöngeistige Archäologie.

Heute sehe ich die Sache anders. Die Mitteleuropa-Debatte war eine seismische Reaktion auf die Schwächung des sowjetischen Imperiums, eine innere Trennung von dessen Erbe, die stattfand, lange bevor die Sowjetologen und die Staatsmänner ihre Theorien an die spätkommunistische Realität anzupassen begannen. Sie beinhaltete die implizite Forderung nach Auflösung des Jalta-Systems und der Militärblöcke, die damals für die meisten Zeitgenossen völlig unrealistisch, wenn nicht gerade gefährlich erschien. Mitteleuropa stand damals für den utopischen Soll-Zustand der Region, es war ein Stück in tiefer Vergangenheit verhüllter Zukunft. Wenn heute über dieses Thema kaum noch gesprochen wird, dann nur deshalb, weil es seine historische Rolle bereits erfüllt hat.

Von der frühen Europabegeisterung der ungarischen Gesellschaft, welche Péter Esterházy seinerzeit mit einer Geldstrafe mäßigen wollte, ist inzwischen recht wenig übrig geblieben. Sobald die lang ersehnte EU-Mitgliedschaft Wirklichkeit geworden war, ließ der Wunsch, an den Sachen des Kontinents mitzuarbeiten, sichtbar nach. Bei den EU-Wahlen von 2005 erschienen nur 39 % der ungarischen Wahlberechtigten bei den Urnen, im Juni 2009 fiel ihr Anteil mit 36% noch niedriger aus. Und obwohl wir mit diesem mangelnden Eifer keineswegs zu den letzten unter den ehemaligen Ostblockländern gehören (in Rumänien erreichte die entsprechende Zahl 27 %, in der Slowakei sogar nur 21 %), ging die Wählerpassivität in diesem Fall eindeutig mit dem Erfolg erklärter EU-Gegner einher: Die rechtsradikale, offen rassistische und antisemitische Partei „Jobbik“ errang mit ihren 15 % Stimmen und drei Mandaten in Strassburg einen erdrutschartigen Sieg.

Abgesehen davon, was der Triumph der „Jobbik“ und das immer schlechtere Abschneiden der liberalen und sozialistischen Partei für die gesamte politische Landschaft bedeutet, kann dieses Ergebnis auch manche Fragen nach dem Gelingen der EU-Integration von 2005 aufwerfen. Auf der einen Seite sieht es so aus, als wären wir nach einer blendenden Aufnahmeprüfung plötzlich schlechtere Schüler geworden als wir es davor waren. Auf der anderen Seite sind mit diesem Rechtsruck, und noch mehr mit dessen sozialatmosphärischem Hintergrund, auch manche europäische Hoffnungen gescheitert, welche von der Osterweiterung eine relativ ruhige innere Entwicklung in den Beitrittsländern erwarteten. Angesichts der Auswirkungen der Weltfinanzkrise werden die osteuropäischen Gleichgewichtsstörungen weiterhin andauern, wobei selbst erfolgreiche Länder wie die Slowakei (seit Januar 2009 in der Eurozone) gegenüber den populistischen Verlockungen zunächst nicht viel anzubieten haben. Vor allem kann hier die Politik, zumal kurzfristig, kaum etwas erreichen.

Für Menschen, die lange vor dem Zusammenbruch der kommunistischen Staaten diese als inhuman und irrational kritisierten, ergibt sich aus dieser Situation ein gewisses Ohnmachtsgefühl, gepaart mit dem Schuldbewusstsein, die ursprünglichen intellektuellen und moralischen Werte der Dissidententradition im Stich gelassen zu haben. Angesichts der Komplexität der zu beantwortenden Fragen drängt sich einem ungewollt der Verdacht auf, in der Ära der Zensur zwar freier gedacht als gesprochen zu haben, während wir heutzutage mutiger sprechen als wir denken können.

Anders als in der großen Politik, gab es auf dem Terrain der schönen Künste bereits in den enorm schwierigen neunziger Jahren einige ermunternde Zeichen. Aufgrund meiner langjährigen Tätigkeit als Leiter eines Kulturinstituts wurde ich Zeuge jenes merkwürdigen Prozesses, der alle Züge der europäischen Integration in sich barg und trotzdem die Eigenart aufwies, nicht ganz in die üblichen Vorstellungen über die Einigung des Kontinents hineinzupassen. Ich denke an die Erweiterung der kulturellen Beziehungen der ehemaligen Länder des „real existierenden Sozialismus“ auf die westlichen Partner. Das Neue daran war die Tatsache, dass der Export der geistigen Güter nicht mehr ausschließlich über staatliche Kanäle verlief.

Um nur einige Beispiele aus meinem unmittelbaren Bereich zu nennen – wobei es sich dabei um Phänomene handelte, die vor zwanzig Jahren in dieser Form noch kaum vorstellbar gewesen wären: Die Präsenz von Rumänien (1997), Kroatien (2008) und Bulgarien (2009) als Themenschwerpunkte auf der Leipziger Buchmesse, ebenso wie die Präsenz von Ungarn (1999), Polen (2000) und Litauen (2001) auf der Frankfurter Buchmesse. Hinter diesen Großprojekten stecken oft jahrzehntelange Anstrengungen der betreffenden Länder, ihre geistige Autonomie und Identität zu bewahren, zu praktizieren und gegenüber der mit mehr Glück gesegneten anderen Hälfte des Kontinents zu demonstrieren.

Worin bestand der Unterschied zwischen diesen osteuropäischen Bestrebungen in westlichem Milieu Fuß zu fassen und jenem Geflecht politischer, wirtschaftlicher und militärischer Maßnahmen, die auf das vereinte Europa abzielten und als deren organischer Bestandteil auch die kulturelle Annäherung zu betrachten wäre? Ich sehe hier drei spezifische Gesichtspunkte: Erstens waren diese Prozesse nicht in dem Maße und in der Weise steuerbar wie zum Beispiel die Schaffung eines einheitlichen Finanzsystems, die Angleichung der Gesetze verschiedener Staaten oder die Entsendung multinationaler Friedenstruppen in Krisengebiete. Kultur entsteht spontan, individuell und erzeugt immer wieder Unvorhersehbares.

Zweitens war die ostmitteleuropäische Kultur nicht so einseitig auf die westlichen Partner angewiesen, wie es die Industrie oder die Landwirtschaft der ehemaligen Comecon-Mitgliedstaaten waren oder zu sein glaubten. Die Begabung eines Péter Nádas, einer Herta Müller oder eines Josef Skvorecky brauchte keine Joint-Ventures zu ihrer Entfaltung. Das Unternehmen Kunst lieferte auch keine Rohstoffe für die Weiterverarbeitung, sondern Fertigprodukte von hoher Qualität, und erwies sich alles andere als zahlungsunfähig. Ihr Kurs auf der europäischen Kulturbörse blieb stabil und zeigte eine steigende Tendenz – denken wir nur an Kertész´ Nobelpreis im Oktober 2002.

Vor allem jedoch vermittelte Osteuropa über sein Schrifttum, die bildende Kunst und die Musik historische und ästhetische Erfahrungen, die jenseits der Leitha in den letzten Jahrzehnten zur Mangelware geworden sind. Man trug dieses Gut über die nunmehr offen gewordenen Grenzen nach Wien, Berlin und Paris. Diese Expansion von Lesungen, Konzerten und Ausstellungen war der bescheidene, aber zweifellos erfolgreiche östliche Versuch einer intellektuellen Westerweiterung. Anders als in der Politik und Wirtschaft, sollte bei dieser Westerweiterung keine Warteliste aufgestellt werden und die potentiellen westlichen Empfänger waren auch nicht nach Kategorien von Bevorzugung oder Benachteiligung behandelt worden.

Gleichzeitig zeichnete sich diese Bewegung dadurch aus, dass sie selbst bei ihrer maximalen Ausdehnung in Rückkoppelung mit ihrem Ursprungsland verblieb. Denn, wie Herder sagte, „Die beste Kultur (…) gedeiht auf dem eigenen Boden der Nation, in ihrer ererbten und sich forterbenden Mundart.“ Wichtig ist, dass hier auf keinen Fall eine Vereinheitlichung der Formen und Inhalte angestrebt werden darf. Mag sein, dass die Ähnlichkeit von Tomaten in den Niederlanden und in Italien, der Telefonkarten vom Ural bis Portugal oder des Hotelservices in allen Erdteilen eine zivilisatorische Errungenschaft ist, die Konsum und damit möglicherweise Lebensqualität fördert. Kultur hat jedoch mit dieser Einheitsvielfalt nichts zu tun. Ihr eigentliches Lebenselement war immer die Unterschiedlichkeit von Formen, Sprachen, Nationen und Traditionen.


György Dalos, Schriftsteller, Historiker und Übersetzer

[1] György Konrád: Antipolitik. Mitteleuropäische Meditationen. Suhrkamp, Frankfurt 1985.

For English version see below.

Culture has nothing to do with homogenised diversity. Its vital principle has always been the distinctiveness of forms, languages, nations and traditions.

Twenty years later: Marginal notes

In the beginning there was the dream, György Konrád’s courageous vision of anno 1984: “I count not only Budapest, Bratislava, Prague, Krakow, Warsaw and Berlin as part of Europe. And yet, if I consider Leningrad and even Moscow as also belonging to Europe, why shouldn’t I also include Vladivostok? Vladivostok is part of Eurasia. There is no national border in between. One can also think in Eurasian dimensions. That is a perspective that suits the second millennium better than the perspective of a small Western Europe. I’d like to consider myself the son of a utopian Europe that stretches its arms to reach the Pacific Ocean at San Francisco as well as at Vladivostok and holds all it touches in a peaceful embrace.”[1]

Several years later, in the spring of 1989, a Hungarian legal expert gave the following terse answer to a journalist’s question as to what the new constitution then in preparation had retained from the old one (of 1949): “The capital of the country is Budapest.” In Hungary’s honeymoon with the new democracy, Europe was a key concept. In view of the ubiquitous references to the continent in the media, the author Peter Esterházy came up with the idea that everyone who said the word “Europe” should immediately pay one Forint into the state treasury (although, considering the huge national debt and the beginning recession, this would not really have resulted in a consolidation of the budget). Expectations were beneficent but naïve. People assumed that taking on the European political and moral norms would bring sweeping economic and social advancement – a democracy with all the advantages and none of the disadvantages of the capitalist economic system. But of course, the path of development was much more difficult. Knocking on the door of the EU alone was a fifteen-year process.

Now the time has come; we have been living according to European time for twenty years. The transition, or, as we call it, the “system change”, required tremendous efforts of this country with its population of ten million. The market economy, to put it mildly, proved to be by no means automatically beneficial to society; at every turn, the past haunted us in the form of false nostalgias and dehumanising ideologies. The generation of Hungarian dissidents experienced a fate similar to that of Christopher Columbus, who searched for India and landed in America. In this situation we lost something that at one time distinguished us favourably from Western pragmatic politicians: historical imagination. We easily became accustomed to freedom of speech, but our courage to think freely has dwindled.

In fairness, it must be said that at the end of the Soviet era, certain phenomena could not possibly have been anticipated. First of all, no one had any idea that the changes would happen so swiftly; second, even many economists underestimated the difficulties involved in the transition to a market economy; and third, people did not expect a national renaissance in the extent that we are now seeing. On the map of the 1990s appeared the following newly formed states: Armenian, Azerbaijan, Belarus, Bosnia, Czech Republic, Estonia, a united Germany, Georgia, Croatia, Latvia, Lithuania, Moldova, Montenegro, Russia, Serbia, Slovakia, Slovenia and Ukraine. The changes on the map affected a territory with a population of almost five hundred million people.

On the one hand, the formation of these modern national states was absolutely natural after so many decades or even centuries of foreign sovereignty. Marxists would have grudgingly described this process, as they did the establishment of the German Reich, as “objectively progressive”. On the other hand, the downfall of the huge Soviet Union was a tremendous disintegration process, with innate apocalyptic elements here and there – particularly in places where certain population groups or minorities had been denied the right to autonomy. While the border and customs officials between the EU states were increasingly confronted with unemployment, from 1989 onwards some 40 new international borders appeared. At the time of the European triumph more than 20 new national currencies were introduced, from the Estonian to the Slovakian crown, and while NATO, not least for financial reasons, was streamlining the defence system on the continent, new national armies were being established in Europe’s eastern region. The fact that, for example, Moldovan or Ukrainian paper money was printed in Paris in the early 1990s merely underlines the absurdity of the entire process and illustrates the gulf between East and West all the more.

The beautiful, optimistic view we once had of the world has been, for the most part, destroyed. The Central European Region dreamed of by Konrád, Kundera, Schlögel and others never came about. Overtaken by practical economic constraints, the new states drifted farther and farther apart. Half of them made enormous efforts to be accepted into the EU; the other half clung just as tightly to their defective national identities, which they now attempted to assert at the cost of smaller countries and minorities. But even in the countries that conformed to the EU, anti-European tendencies increasingly gained ground. Society was ready and waiting to point a finger at new “enemies” as the cause of its disappointments, above all at globalisation and multiculturalism. Right-wing extremists in particular, formerly outsiders of the political scene, profited from this and came increasingly out of isolation. They operated with the mentality of a substantial portion of the population that was antagonistic to change and took advantage of the weakness of the democratic institutions and the internal conflict of the new elite.

At that time Hungary, like Poland or Czechoslovakia, belonged to the (political, economic and military) East, although it had a clearly Western-oriented cultural tradition and its civilisation had advanced incomparably farther under the conditions of “real socialism” than that of Romania, Bulgaria or the great model, the Soviet Union. I was firmly convinced that the decades of division of the continent, plus the two World Wars that preceded them, had hollowed out precisely the characteristics of these countries that could have made them intermediaries between the two halves of Europe. I saw it as a fact that we were poor, unfree and provincial, and that Budapest’s status as the Paris of the East, so often affirmed by Western visitors, was a poor consolation for the existence we actually led as a big city wedged between Eisenhüttenstadt and Vladivostok. To me, the search for the lost era of the sunny turn of the century, with its cafés and trips to the theatres in Vienna, seemed like a form of aesthetic archaeology.

Today I see things differently. The Central European debate was a seismic reaction to the weakening of the Soviet imperium, an internal separation from its heritage, which took place long before the Sovietologists and the statesmen began to adapt their theories to late Communist reality. It contained the implicit demand for a dissolution of the Yalta system and the military blocks, which at that time was, for most people, totally unrealistic if not downright dangerous. At that time Central Europe stood for the utopian situation desired by the region; it was a piece of the future veiled in the deepest past. If this subject is barely discussed nowadays, it is only because it has already fulfilled its historical role.

In Hungarian society there is not much left of that early enthusiasm for Europe that Péter Esterházy wanted to moderate by imposing a fine. No sooner had the long-desired EU membership become reality than the wish to contribute to the European project abated conspicuously. Only 39% of Hungary’s eligible voters went to the polls in the 2005 EU election; in June of 2009 it was only 36%. And although our lack of enthusiasm by no means places us at the bottom of the ranks among the countries of the former Eastern Bloc (in Romania voter participation was only 27%, in Slovakia a mere 21%), in this case the voter passivity clearly went hand in hand with the success of declared EU sceptics: The right-wing extremist, openly racist and anti-Semitic party “Jobbik” won a landslide victory, garnering 15% of the votes and three mandates in Strasbourg.

Apart from what the “Jobbik” triumph and the increasingly poor performance of the liberal and socialist parties means for the overall political landscape, this result poses a number of questions as to the degree of success of EU integration. On the one hand, it looks as though, after having passed an entrance examination with flying colours, we had suddenly become poorer scholars than we were before. On the other hand, this shift to the right, and even more so the social atmosphere behind it, represents the failure of a number of European hopes that Eastern enlargement would bring relatively peaceful inner development in the acceding countries. In view of the effects of the global financial crisis, the disruptions of balance in Eastern Europe can be expected to continue, and even successful countries like Slovakia (which joined the euro zone in January 2009) are currently unable to offer much in the way of combating the lure of populism. It is conspicuous that the political arena, at least for the time being, seems unable to achieve much in this context.

For people who criticised the Communist states as inhuman and irrational long before their dissolution, this situation produces a certain feeling of powerlessness, coupled with guilt at having failed to uphold the original intellectual and moral values of the dissidents’ tradition. Given the complexity of the questions that need to be answered, one can’t help suspecting that while in the era of censure we may have thought more freely than we spoke, nowadays we speak more courageously than we think.

In contrast to the big political arena, in the sector of the arts there were a number of encouraging signs even in the enormously difficult nineties. As a result of my many years of work as the head of a cultural organisation, I was a witness to a remarkable process that evinced all the inherent characteristics of European integration and nevertheless still showed the peculiarity of not quite fitting into the usual expectations of what the unification of the continent should be like. I’m thinking of the expansion of cultural relations between the former countries of “real socialism” and their Western partners. What was new about this was the fact that the export of intellectual products no longer occurred exclusively through government channels.

To mention just a few examples from my immediate field – and these are phenomena that it would have been almost impossible to imagine in this form twenty years ago – there was: the presence of Romania (1997), Croatia (2008) and Bulgaria (2009) as special themes of the Leipzig Book Fair, and similarly, the presence of Hungary (1999), Poland (2000) and Lithuania (2001) at the Frankfurt Book Fair. Behind these major projects often lay decades of efforts on the part of the respective countries to maintain and practice their intellectual autonomy and identity and to demonstrate these to the more fortunate half of the continent.

What was the difference between these Eastern European efforts to gain a foothold in the Western milieu and the web of political, economic and military measures intended to create a unified Europe, a context in which cultural rapprochement should also be considered an integral part of the mix? I see here three specific considerations: First, these processes were not controllable to the same extent and in the same way as, for example, the creation of a unified financial system, the harmonisation of the laws of different countries or the deployment of multinational peace troops to crisis regions. Culture develops spontaneously and individually and always creates the unexpected.

Second, the culture of Eastern Central Europe was not as one-sidedly dependent on its Western partners as the industrial sector or the agriculture of the former Comecon member states were or believed themselves to be. The gifts of a Péter Nádas, a Herta Müller or a Josef Skvorecky did not require any joint ventures in order to unfold. The enterprise “art” did not supply raw materials for further processing, but rather high-quality finished products, and it proved to be anything but insolvent. Its price in the European cultural market remained stable and showed a tendency to rise – we only need to remember Kertész’ Nobel Prize in October 2002.

Above all, however, through its written works, fine arts and music, Eastern Europe communicated historical and aesthetic experiences that had become scarce commodities beyond the Leitha in past decades. These commodities were carried across the newly opened borders to Vienna, Berlin and Paris. This expansion of readings, concerts and exhibitions was the modest but undoubtedly successful Eastern attempt at intellectual Western expansion. Unlike the political and economic sectors, in this Western expansion there was no need for a waiting list, and the potential Western recipients were not dealt with according to categories of preference or discrimination.

At the same time, this movement was distinguished by the fact that no matter how far it expanded, it still stayed connected to and benefited its country of origin. For as Herder said, “The best culture (…) flourishes on the soil of its nation of origin, in its inherited and heritage-producing idiom.” The important thing is that we should, under no circumstances, aim for a unification of forms and contents. It may be that the similarity of tomatoes in the Netherlands and in Italy, of telephone cards from the Urals to Portugal or of hotel service in all four corners of the earth represents an achievement of civilisation that promotes consumption and hence, possibly, quality of life. Culture, however, has nothing to do with this kind of homogenised diversity. Its vital principle has always been the distinctiveness of forms, languages, nations and traditions.


György Dalos, Author, historian, translator

[1] György Konrád: Antipolitik. Mitteleuropäische Meditationen. Suhrkamp, Frankfurt 1985

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